Eine intime Partnerschaftsbeziehung bedeutet für die meisten Menschen Wohlbefinden und Zufriedenheit. Gelingende Partnerschaft ist stets das Resultat gemeinsamer Anpassungen und fortwährender Entwicklung.

Partnerschaftskonflikte entstehen nicht von heute auf morgen; sie werden jedoch meist erst im Verlaufe der Zeit von den beiden Partnern wahrgenommen. Solche Konflikte erfordern – wollen sie gelöst werden –, eine gewisse Zeit, geduldige Aufmerksamkeit und Zuwendung. Mit dem begleiteten Verstehens- und Lernprozess innerhalb der psychologischen Beratungssituation finden Paare erfahrungsgemäss zurück zu einer erfüllten, selbstzufriedenen und lebenswerten Beziehung. – Kurz gesagt: Partnerschaftsprobleme lassen sich unter förderlichen Bedingungen tatsächlich beheben!

Eheprobleme – Bericht eines Vaters

In dem leicht gekürzten Erlebnisbericht erzählt ein junger Vater über seine Eheprobleme und wie das Elternpaar mit Hilfe einer Psychologin diese zu überwinden lernt. An diesem Beispiel einer psychologischen Eheberatung wird das Zusammenspiel von Gefühlen und Denkweisen sichtbar.

Erschütterung

Ich hatte einen Schock. – Aus heiterem Himmel unterbreitete mir eines Tages meine Frau, dass sie in einen anderen Mann verliebt sei. Sie halte es in der Ehe nicht mehr aus, und sie wolle sich sofort trennen. Auch hätte sie bereits mit einem Anwalt Kontakt aufgenommen, um die nächsten Schritte für eine Trennung einzuleiten.

So präsentierte sich mir vor anderthalb Jahren unsere Situation. Meine Frau und ich kannten uns über 15 Jahre, und wir waren seit mehr als 10 Jahren verheiratet. Als stolze Eltern einer Tochter und eines Sohnes führten wir ein traditionelles Familienleben. Die Frau war zu Hause und ich verdiente das Geld.

Nach dieser schockierenden Nachricht machte ich meiner Frau wiederholt Vorwürfe, überhäufte sie mit kleinen und grösseren Geschenken. Ich fiel in tiefste Verzweiflung, weil sie meine Werbung nicht erwiderte. Ich wusste, dass ich meine Familie nicht aufgeben wollte. Hoch und Tiefs, ein Wechselbad an Gefühlen, begleiteten meinen Alltag. Sogar die Arbeit litt. Der Chef sprach mich darauf an und fragte, was denn mit mir los sei. Eigentlich hatte ich neben den depressiven Gedanken auch ein Problem, mit dem ich nicht fertig wurde. Eine Scheidung kam für mich nicht in Frage, denn meine beiden Kinder sollten nicht dasselbe Schicksal erleiden, wie ich es erleben musste. Zu schmerzlich war es für mich, als sich meine Eltern trennten.

Unser Problem spitzte sich weiter zu, als meine Frau eines Nachts nicht nach Hause kam. Ich weinte, war verzweifelt und empört zugleich, und die Kinder reagierten ängstlich und verwirrt. Sofia, die sechsjährige Tochter, versuchte mich zu trösten, und Ruben, der ältere Bruder wirkte in sich gekehrt und verunsichert. Ich erkannte damals, trotz meines verzweifelten Zustandes, dass ich etwas unternehmen muss, um unsere Partnerschaft und die Familie zu retten.

Verzweiflung

Ich packte meine beiden Kinder ins Auto und wir fuhren zu meiner Mutter. Ihr waren unsere Eheprobleme nicht entgangen. Sie erzählte mir von Bekannten, die sich Hilfe bei einer Psychologin holen konnten und sich später wieder gefunden hätten. Nun überlegte ich mir, ob meine Frau für ein solches Vorhaben noch zu gewinnen wäre. Allein der Gedanke, im Wissen darüber, dass ich etwas unternehmen könnte, liess mich ruhiger werden.

Das Leben ging in gewohnter Weise weiter. Meine Frau lebte mit uns zusammen, in Gedanken war sie jedoch abwesend. Sie verliess regelmässig ihre Familie, feierte wöchentlich ihren Ausgang und schreckte auch nicht davor zurück, ständig mit ihrem Lover simsend mich weiter zu nerven. Und ich badete mich weiter in meiner Eifersucht und Ohnmacht. Hin und wieder erinnerte ich mich an das Gespräch mit meiner Mutter.

Entschluss 

Nach ungefähr sechs Wochen entschloss ich mich endlich etwas zu unternehmen. Im Telefonbuch fand ich die Adresse einer Psychologin in unserem Wohnbezirk. Schweren Herzens wagte ich ihr anzurufen. Eine angenehme Frauenstimme erwiderte meinen Anruf und liess mich aufatmen. Ich erklärte ihr, worum es geht, und sie lud mich zusammen mit meiner Frau zu einem ersten Gespräch ein. Einerseits entlastete mich die Tatsache mit einer Psychologin unsere Situation besprechen zu können, andererseits wusste ich aber nicht, wie ich dies meiner Frau beibringen sollte. Sie begegnete all meinen bisherigen Bemühungen abweisend und der Psychologie stand sie eher ungläubig und skeptisch gegenüber. Der Termin jedoch stand nun fest, und wir sollten bereits nächste Woche uns bei der Psychologin einfinden.

Zu meinem totalen Erstaunen war meine Frau bereit dorthin mitzukommen. Ihre Bedingung war: „Ich behalte meinen Liebhaber.“ Mir war momentan alles Recht. Einzig die Aussicht auf eine Klärung liess mich ruhiger leben und arbeiten.

Erster Gesprächstermin

Das erste Gespräch mit der Psychologin verlief soweit gut. Wir erklärten beide unsere Situation. Meine Frau betonte, dass sie sehr in den anderen Mann verliebt sei, und nicht von ihm lassen wolle. Sie verstehe jedoch auch meine Not. Ich vertrat die Position, dass wir unsere Familie nicht aufgeben können. Unsere Kinder brauchen beide Elternteile. Auch liebe ich meine Frau und würde sie nicht aufgeben wollen. Die Psychologin empfahl uns mit Blick auf unsere Kinder und unsere langjährige Partnerschaft eine genaue Abklärung vorzunehmen. Erst diese Auseinandersetzung schaffe eine Basis für eine gemeinsame Entscheidung. Meine Frau erklärte sich bereit weiterhin zu den Gesprächen mitzukommen. Und deshalb stoppten wir sofort den bereits vereinbarten Termin beim Friedensrichter.

Abklärung

In den ersten Gesprächen untersuchten wir, weshalb unsere Liebe erloschen war und warum meine Frau sich von mir abwandte. Es stellte sich heraus, dass dies nicht aus heiterem Himmel geschah. Ich konnte erkennen, dass unsere Schwierigkeiten mit dem ersten Kind begannen und ich mich immer wieder benachteiligt fühlte, obwohl ich Kinder sehr mag und beides Wunschkinder sind. Als zwei Jahre später Sofia zur Welt kam, war die Harmonie zusätzlich gestört. Missverständnisse, kurze Nächte und erloschene Sexualität zermürbten uns. Hinzu kam bei mir ein Stellenwechsel, der mich zeitlich mehr in Anspruch nahm. Auch musste ich feststellen, dass ich meine Frau oft überhörte, wenn sie sich mit einem berechtigten Anliegen an mich wandte. Aber in meiner Gereiztheit konnte ich darauf nicht eingehen.

Dank der Gespräche mit meiner Psychologin fiel es mir mit der Zeit immer deutlicher auf, dass wir überhaupt nie miteinander wirklich reden konnten. Vieles blieb so über Monate und Jahre unausgesprochen und unklar. Beide hatten falsche Meinungen über sich und den andern.

Erste Wirkung

Die Einsicht, dass der Seitensprung meiner Frau ein „Hilferuf“ war, erzeugte in mir erstmals wieder bessere Gefühle zu ihr. Mein Groll auf den Nebenbuhler wich allmählich und ich konnte meiner Frau wieder offener begegnen. Dies ermöglichte ihr sich mir vermehrt zuzuwenden, sie lachte auch wieder und die Kinder reagierten sofort positiv.

Antrieb zu der psychologischen Abklärung ging einzig von mir aus. Doch im Laufe meiner positiven Veränderung fasste meine Frau auch wieder Vertrauen zu mir. Ausserdem ging zu diesem Zeitpunkt ihre Aussenbeziehung in Brüche. Deshalb bemühte sie sich ihre Fragen auch bei der Psychologin zu besprechen. Es kam auch vor, dass wir zu dritt ein Gespräch führen konnten.

Rück- und Ausblick

Rückblickend haben wir die gröbsten Verwirrungen hinter uns. Wir begegnen uns mit mehr Verständnis, Toleranz und neu gewonnener Liebe. Gemeinsam stellen wir fest, dass wir in diesem Jahr sehr viel erfahren konnten und dass wir noch viel zu lernen haben. Gerade das Gespräch zu führen, erweist sich immer wieder als grosse Schwierigkeit. Die Muster unserer Kindheiten sind uns noch zu wenig bewusst. So störe ich beispielsweise indem ich dominiere und bestimmen will, und dies fördert die Liebe eben nicht. Was uns beide aber am meisten glücklich macht, ist die Tatsache wieder zueinander gefunden zu haben, und dass wir die gemeinsame Elternschaft zusammen weiterführen. Ihre Freude darüber zeigen uns Sofia und Ruben unverfälscht jeden Tag.

Alexander S. aus L.

 


Anmerkung

Scheidungswilligen Paaren, die eine psychologische Beratung beanspruchen, empfehlen wir jeweils die Partnerschaft zuerst genau abzuklären. Dies aus guten Gründen: etwa im Sinne einer objektiven Zweitmeinung und weil Liebespartner in einer neuen Beziehung ähnliche Fehler begehen oder an korrigierbaren Irrtümern wiederum scheitern können.

Zudem entbindet eine Trennung das Elternpaar nicht von ihrer gemeinsamen Verantwortung. Um diese anspruchsvolle Aufgabe der Elternschaft erfüllen zu können, ist es von grossem Vorteil, wenn beide Elternteile in gutem Einvernehmen sich für das Wohl ihrer Kinder gemeinsam bemühen. Denn Kinder wünschen sich nichts Sehnlicheres als geeinte Eltern.

 


Literatur

Bierhoff H-W/Rohmann E (2005) Was die Liebe stark macht. Die neue Psychologie der Paarbeziehung. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg

Weitere Literaturangaben finden Sie in der Rubrik Literatur und Film.

 

[Zurück]