Der Schlüssel zu einer förderlichen Erziehung liegt u. a. in der Qualiät der Bindung zwischen Eltern und Kind. Wie Bindung entsteht und welche Bedeutung sie insbesondere bei Trennung und Scheidung der Eltern für das Kind einnimmt, erläutert die Schrift von Manuela Klein. Wir zitieren aus dem Vorwort, verfasst von Melanie Zillekens einige Kerngedanken.

Erziehungsberatung – Qualität der Bindung

Besonders in Zeiten, in denen Kinder oft mehr oder weniger freiwillig von Bezugspersonen getrennt werden oder mit vielen verschiedenen Bezugspersonen zurechtkommen müssen, ist ein Blick auf die spezifische Situation von Trennungskindern notwendig. So sind Ehen oder Beziehungen nicht unbedingt von langer Dauer oder beide Elternteile sind bereits vor dem Erreichen des Kindergartenalters ihrer Kinder voll erwerbstätig, so dass auch schon die Kleinsten in die Krippe gehen und dort auch längere Zeiten am Tag betreut werden. Und auch das Modell Familie und die Art und Weise, wie Familienleben stattfindet, haben sich im Laufe der Zeit verändert. Es ist spannend zu schauen, wie und ob sich diese Änderungen auch auf die Qualität der Bindung auswirken.


Doch was ist Bindung überhaupt? Oft denkt man zuerst an Begriffe wie gegenseitige Sympathie. Und vor allem denkt man an die intakte Beziehung zwischen Mutter und Kind.


[…] Es geht nicht nur um ein gegenseitiges Mögen. Eine sichere Bindung ermöglicht dem Kind, seine Umwelt angstfrei zu erkunden. Dadurch wird es befähigt, neue Kompetenzen zu erlernen und ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit aufzubauen. Es ist die Basis einer gesunden Entwicklung des Kindes.


Faktoren wie die Persönlichkeit der Beteiligten, Erziehungsstil der Eltern sowie deren gesundheitliche Verfassung und interne Arbeitsmodelle, d. h. die aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen gewonnenen Vorstellungen und Erwartungen, über das was man von Beziehungen zu anderen Menschen erwarten kann, beeinflussen die Qualität der Bindung.
Ob sich ein Kind tatsächlich sicher fühlt, hängt aber vor allem von der Feinfühligkeit der Bezugspersonen ab. Damit das Kind wahrnehmen kann, dass seine Bedürfnisse erkannt werden, sollten die Bezugspersonen jeweils konsistent und angemessen auf die Signale des Kindes reagieren. Das bedeutet, ein Kind kann durchaus mehrere Bezugspersonen haben und zu ihnen eine unterschiedliche Form der Bindung aufbauen. Wichtig ist nur die Regelmässigkeit und Sensitivität in diesen Interaktionen. Gerade die Einheit der Eltern als funktionierendes Paar hat einen Einfluss auf das Bindungsverhalten des Kindes. […]


Literatur

Pauen S (2011) Vom Baby zum Kleinkind. Entwicklungstagebuch zur Beobachtung und Begleitung in den ersten Jahren. Spektrum, Heidelberg

Klein M (2010) Die Bedeutung von Trennung und Scheidung für die Bindung des Kindes. Peter Lang, Frankfurt am Main

 


 

Wie Bindungen zu erhöhter psychischer Robustheit und Sicherheit beitragen, beschreiben Karin und Klaus Grossmann in ihrer Monografie „Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit”. Sie ist das Resultat einer weltweit beachteten Langzeituntersuchung über menschliche Bindungen.

Wie führen Bindungen zu psychischer Sicherheit?

 

Die Erkenntnisse, die Karin und Klaus Grossmann in ihren Forschungen zur Bindung gewonnen haben, führen weit über das bisherige Wissen hinaus. Fast 100 Kinder konnten sie über mehr als 20 Jahre von der Geburt an wissenschaftlich begleiten und beobachten. Schon der Säugling bindet sich an beide Eltern, die ihn versorgen und schützen. Von der Qualität der Erfahrungen mit Mutter und Vater hängt ab, welche Erwartungen das Kind und später der junge Mensch darüber entwickelt, wie andere Menschen auf ihn reagieren werden, wenn er Zuwendung oder Unterstützung braucht. Im positiven Fall entwickelt der Mensch ein gesundes Selbstvertrauen. Wie die Forschungsergebnisse zeigen, führen positive Erfahrungen mit Mutter und Vater zur Bereitschaft, verlässliche, vertrauensvolle Beziehungen einzugehen, die auf Gegenseitigkeit beruhen, negative dagegen leisten das nicht. Bereits in den ersten Lebensjahren wird das Fundament gelegt für Freundschaften, Partnerschaften und den rücksichtsvollen sozialen Umgang mit anderen, aber die weitere Entwicklung bleibt noch länger offen.

 

Der Bindungsprozess und die Entstehung psychischer Sicherheit werden von ihren frühen Anfängen ebenso dargestellt wie die unterschiedlichen Rollen von Müttern und Vätern, ausserdem der Einfluss von Bindungen bei Erwachsenen bis ins hohe Lebensalter, in dem der Wunsch nach verlässlichen Bindungen wieder zunimmt.

 


Literatur

Grossmann K/Grossmann KE (2008) Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit. Klett-Cotta, Stuttgart

Weitere Literaturangaben finden Sie in der Rubrik Literatur und Film.

 


Essverhalten der Kinder neu untersucht

Nörgelndes Essverhalten von Kindern lässt sich vermeiden. Wie eine neue Studie von Klazine van der Horst zeigt, haben es Eltern in der Hand das wählerische Essverhalten ihres Kindes positiv zu beeinflussen. [...]

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